Chronik

Als im Jahre 1992 „Tausend Jahre Osterfeld" gefeiert wurde, war unsere Gemeinde als erste Neugründung von Osterfeld zum Mitfeiern eingeladen. In der Tat haben beide Gemeinden eine lange gemeinsame Geschichte:

• Schon vor 1150 gehörte die Kapelle zum heiligen Cyriakus in Bottrop zu Osterfeld.

• Etwa 320 Jahre später - im Jahr 1473 - wurde St. Cyriakus selbständige Pfarrei.

• Weitere 320 Jahre - bis 1793 - übte der Osterfelder Pfarrer Patronatsrecht über St. Cyriakus aus, das heißt: er hatte das Vorschlagsrecht für die Ernennung des Pfarrers von St. Cyriakus.

• Nach weiteren dreißig Jahren - im Jahr 1823 - wurde das Vest Recklinghausen mit St. Pankratius und St. Cyriakus aus dem Erzbistum Köln gelöst und dem Bistum Münster zugeordnet.

• Seit Gründung des Bistums Essen am i. Januar 1958 gehören beide Propsteigemeinden zum neuen Bistum.

Aus der gemeinsamen Geschichte mit St. Pankratius in Osterfeld dürfte auch das Patronat des heiligen Cyriakus für unsere Gemeinde verständlich sein: Neue Gemeinden wählten gern einen Patron, der dem der Muttergemeinde nahe war. In den Namen Pankratius und Cyriakus steckt die gleiche Bedeutung: Das Wort „Pantokrator" und das Wort „Kyrios" bedeuten beide: Herr der Welt. Die Namensverbindung beider Gemeinden läuft nach dieser Annahme nicht über Personen, über Heilige, sondern über ein theologisches Bekenntnis:

Beide Gemeinden sind dem Herrn geweiht, dem Pantokrator, dem Kyrios.

Nun war es dem Mittelalter eigen, theologische Inhalte in Personen und Bildern anschaulich zu machen, wie wir es aus den großen Domen kennen, etwa in Köln oder Straßburg. Heiligenfiguren mit ihrem jeweiligen Symbol-Gegenstand und eine Fülle von Bilderzyklen in Glasfenstern, an Portalen, Wänden und Decken erklärten all denen den christlichen Glauben, die zwar nicht lesen, aber Bilder ansehen konnten. Auch in unserer Kirche lernen Kinder vermutlich mehr vom Glauben durch das Ansehen und Betrachten der Bilder als durch wortreiche Predigten.

Wohl wegen der mittelalterlichen Vorliebe für anschaubare Figuren im Bilder blieben wir nicht eine Kyrios-Gemeinde - ähnlich wie Herz-Jesu oder Heilig Kreuz -. sondern eine Gemeinde mit einem Heiligen als Namens- und Schutzpatron:

St. Cyriakus.

Und wer war St. Cyriakus? - Wie bei vielen Heiligen der frühen Kirchengeschichte ist über den heiligen Cyriakus nur wenig Historisches überliefert. Er war römischer Diakon; er machte sich verdient um die zur Zwangsarbeit verurteilten Christen beim Thermenbau des Kaisers Diokletian. Dort erlitt er vermutlich im März 309 den Tod des Blutzeugen für seinen Glauben. Schon 45 Jahre später - 354 - wird er in römischen Martyrerakten mir einer Gruppe von fünf Gefährten erwähnt. Sein Grab befand sich am 7. Meilenstein der Via Ostiensis. Im q. und 10. Jahrhundert wurden seine

Gebeine in die Stadt Rom überführt, zur Titelkirche des heiligen Marcellus.

Zur Zeit Kaiser Ottos des Großen (936 - 973) kam eine Arm-Reliquie des heiligen Cyriakus nach Bamberg, also in unseren Sprachraum. Andere Gebeine kamen nach Neuhausen bei Worms, ins Elsaß und in die Abtei Siegburg. So entstand früh im Mittelalter eine weitreichende Verehrung, auch am Niederrhein und eben bei uns in Bottrop.

In Vierzehnheiligen bei Bamberg ist St. Cyriakus dargestellt als einer der vierzehn Nothelfer. Er wurde angerufen bei Besessenheit, gegen böse Geister und Versuchungen. In der Pfalz und am Main gilt er auch als Weinpatron; deshalb gibt es dort die Weinlage „Cyriakusberg". In Bottrop erscheint sein Name erstmals schriftlich auf der alten Kirchenglocke von 1425, die jetzt beim Rathaus steht.

Nach so vielen geschichtlichen Fakten darf natürlich jeder fragen: Was sagt er uns heute?

Mir sagt er etwa dies:

• Der Diakon Cyriakus besiegelte die Glaubwürdigkeit seines caritativen und seelsorglichen Dienstes mit seinem Blutzeugnis. Wir sind gefragt, wie glaubwürdig unser Christsein ist.

• Mir sagt er auch: Hier in St. Cyriakus haben Menschen seit mehr als 850 Jahren gebetet und heilige Messe gefeiert; hier wurden Taufen und Hochzeiten ebenso gefeiert wie beruflicher Erfolg und Befreiung von Besatzungen und Kriegen. Hier wurde auch gelitten und geweint: bei Krankheiten, bei zerbrochenen Partnerschaften, bei Plünderungen und Zerstörungen und bei Sterbetällen.

• Und schließlich: Der Nothelfer Cyriakus stand den Menschen bei in den Bedrängnissen ihrer Zeit; der Patron der Weinberge und des Weines erinnert an Freude und Fest.

 

Unser Gemeinde-Jubiläum
„850 Jahre St. Cyriakus - 50 Jahre Propstei" machen wir fest an einer Urkunde der Abtei Deutz aus dem Jahre 1150; in ihr wird zum ersten Mal berichtet von einer Kapelle im Dorf Bottrop. Sie stand genau da, wo heute unsere Cyriakus-Kirche steht.

• Hier - rund um unsere Kirche - war bis vor 170 Jahren, also fast 700 Jahre lang, der Kirchhof, der Friedhof des Dorfes Bottrop.

Das alles betrachtet unsere Gemeinde als Vermächtnis und als Auftrag.

Werner Dürdoth